Stillen: mit ganz viel Liebe

Im April 2023 wurde ich zum ersten Mal Mutter meiner Tochter Lune. Etwas mehr als ein Jahr lang habe ich sie gestillt, eine wunderschöne, aber auch herausfordernde Reise, die wir gemeinsam erlebt haben.

Gastblogger
Martine
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Das romantische Bild vom Stillen

Schon kurz nachdem ich erfahren hatte, dass ich schwanger bin, stand meine Entscheidung fest: Wenn es möglich wäre, wollte ich gerne stillen.

Ich hatte eine romantische Vorstellung davon, mein Kind ganz nah bei mir zu haben und es mit etwas großzuziehen, das nur ich ihm geben konnte. Obwohl ich nichts gegen die Entscheidung für Flaschennahrung hatte, erschien es mir logisch, zunächst zu schauen, ob das Stillen funktionieren würde.

Vor der Geburt besuchte ich einen Stillkurs und fühlte mich bestens vorbereitet.

Ein schwieriger Start

Die ersten Tropfen Milch flossen bereits vor der Geburt. Ich war voller Hoffnung, dass dies für einen guten Start sorgen würde. Doch so einfach war es leider nicht.

Nach einer schweren Geburt war es ein wunderbares Gefühl, dass meine Tochter sofort richtig andockte und gut trank. Der Plan war, sie möglichst oft anzulegen, und nach etwas mehr als einer Stunde hatten wir bereits ein zweites sehr schönes und erfolgreiches Stillerlebnis.

Doch direkt danach kam es zu einer schweren Blutung. Es stellte sich heraus, dass ein Rest der Plazenta zurückgeblieben war. Nach erheblichem Blutverlust musste ich notfallmäßig operiert werden.

Damals wusste ich noch nicht, wie stark sich so etwas auf das Stillen auswirken kann. Hinzu kam, dass es in den darauffolgenden Tagen im Krankenhaus nur wenig Unterstützung gab. Von dem Plan, Lune häufig anzulegen, blieb in der Praxis daher nicht viel übrig.

Eine zweite Chance

Mittlerweile war das Anlegen so schmerzhaft geworden und der Milchspendereflex so stark, dass ich mich regelrecht überwinden musste, dem Stillen noch eine Chance zu geben.

Zum Glück hatten wir eine unglaublich geduldige und erfahrene Hebamme in der Wochenbettbetreuung. Sie setzte alles daran, uns zu helfen, telefonierte herum, um eine Milchpumpe zu organisieren, und machte mir immer wieder Mut. Das gab mir neues Vertrauen.

Es war unglaublich schmerzhaft und manchmal hätte ich vor Schmerzen schreien können. Doch sobald die Milch zu fließen begann, fühlte es sich gleichzeitig auch wunderbar an.

Mit Lunes warmem Körper an meinem fühlte sich die Welt schöner an. Die Müdigkeit war weniger belastend, die schlaflosen Nächte wirkten leichter und die Liebe noch viel größer.

Rückschläge während der Stillzeit

Mein Durchhaltevermögen wurde in dieser Zeit auf eine harte Probe gestellt. Das Wochenbett sollte eigentlich ganz im Zeichen der Erholung stehen, doch mit einer Brustentzündung, einer Blasenentzündung und dem starken Blutverlust nach der Geburt schien die Genesung noch weit entfernt.

Als ich zusätzlich aufgrund des Milchspendereflexes unter Blutdruckabfällen litt, schien der Wechsel zur Flaschennahrung die logischste Lösung zu sein. Meine Milchproduktion kam nur langsam in Gang und war trotz häufigen zusätzlichen Abpumpens nicht ausreichend.

Nach vielen Tränen beschlossen wir, auf Anraten der Hebamme, mit Flaschennahrung zuzufüttern. Das war enttäuschend, aber ausschließlich zu stillen war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich.

Die Unterstützung meines Partners, meiner Mutter, meiner Schwestern, meiner Freundinnen, einer guten Milchpumpe und unserer Wochenbettbetreuerin halfen mir enorm dabei, das Stillen fortzusetzen. Gerade wegen all der Rückschläge wollte ich unbedingt, dass es funktioniert.

Ein persönlicher Erfolg

Der Start verlief ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Nach den ersten zwei Wochen hätte ich nie gedacht, dass ich weitermachen würde. Umso mehr überraschte ich mich selbst, als ich es schließlich etwas länger als ein Jahr schaffte.

Bis heute finde ich es etwas ganz Besonderes, dass ich meine Tochter mit meiner Milch, meiner Aufmerksamkeit und ganz viel Liebe ernähren durfte.

Es war nicht immer leicht, aber ich habe dadurch auch unglaublich viel gewonnen. Ich habe mich selbst besser kennengelernt und auch meine Tochter besser verstanden.

Ich habe gelernt, liebevoller auf meinen eigenen Körper zu blicken, mein Durchhaltevermögen mehr wertzuschätzen und freundlicher mit meinen eigenen Schwächen umzugehen.

Lune hat mir beigebracht, Grenzen zu setzen. Sie hat mir gezeigt, wie man im Moment lebt und wie wichtig es ist, etwas mit voller Aufmerksamkeit zu tun, auch wenn sie mich liebevoll daran erinnerte, indem sie einfach zubiss, wenn ich kurz unaufmerksam war.

Das Stillen hat mir geholfen, meinem Körper mehr zu vertrauen, trotz aller Energie, die es gekostet hat. Es hat mir Kraft gegeben und gibt sie mir bis heute. Gerade weil dieser Körper mich so oft im Stich gelassen zu haben schien, zeigte er mir nun, dass er auch genau das kann, wofür er geschaffen wurde. Und das fühlt sich unglaublich stärkend an.

Gib alles!

Nein, ich möchte dich nicht dazu ermutigen, denselben Weg zu gehen wie ich. Ich möchte dich vielmehr dazu ermutigen, die Entscheidung zu treffen, die sich für dich richtig anfühlt. Und wenn du unterwegs deine Meinung änderst, ist das vollkommen in Ordnung.

Das Stillen hat mir viel gegeben, aber auch die Flaschennahrung war manchmal unsere Rettung. Das Wichtigste ist, dass du und dein Kind euch mit eurem Weg wohlfühlt.

Vor allem aber: Höre auf dein Gefühl. Und wenn du das Letzte aus dir herausholen möchtest, oder in diesem Fall den letzten Tropfen, dann gib alles.

Martine

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