Was du wissen solltest

Stillen deines Neugeborenen

Du bist schwanger, stehst kurz vor der Geburt oder hast gerade einen kleinen Menschen zur Welt gebracht und stehst nun vor der großen Frage: Werde ich stillen? Vielleicht bist du dir noch nicht sicher, ob du stillen willst, oder vielleicht hast du dich schon entschieden zu stillen. In beiden Fällen ist es sinnvoll, dich ausführlich über das Stillen zu informieren. Wie möchtest du es haben, wie willst du es angehen, und wie gehst du damit um, wenn es nicht klappt oder nicht so, wie du es dir vorgestellt hast? Und für die Partner: Möchtest du deine Partnerin bei der Entscheidung unterstützen oder sie beim Stillen begleiten? Wir erklären dir gerne, was du tun kannst!

In unserer App findest du ein praktisches Tagebuch, in dem du gemeinsam mit deinem Partner alles rund um dein Baby festhalten kannst. Auf diese Weise kannst du auch alles rund ums Stillen im Blick behalten.

Warum solltest du dein Neugeborenes stillen?

Warum solltest du dein Neugeborenes stillen?

Stillen hat viele Vorteile. Muttermilch enthält alle Nährstoffe, die dein neugeborenes Kind zumindest in den ersten sechs Lebensmonaten braucht. Sie enthält ein perfektes Gleichgewicht an Fetten, Proteinen, Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralien. Darüber hinaus trägt das Stillen zur Stärkung des Immunsystems deines Babys bei. Muttermilch enthält Antikörper, die vor Infektionen und Krankheiten wie Ohrentzündungen, Atemwegsinfektionen und Magen-Darm-Problemen schützen. Außerdem haben gestillte Babys ein geringeres Risiko, Allergien, Ekzeme und Asthma zu entwickeln. Neben den vielen Vorteilen für dein Baby ist Stillen auch gut für dich. So stimuliert das Stillen das Hormon Oxytocin, das deine Gebärmutter schneller schrumpfen lässt und den Blutverlust nach der Geburt verringert.

Erste Schritte zum Stillen

Wie man mit dem Stillen beginnt

Du bist zu dem Schluss gekommen, dass du gerne stillen würdest, aber weißt nicht, wie du damit anfangen sollst? Mit dem Stillen deines Neugeborenen zu beginnen, kann eine freudige, aber auch schwierige Erfahrung sein. Die ersten paar Tage sind wichtig, um die Milchproduktion in Gang zu bringen und eine gute Routine zu entwickeln.

  • Lies am besten schon während der Schwangerschaft über das Stillen und besuche, wenn möglich, einen Stillkurs.
  • Sobald dein Baby geboren ist, ist es am besten, so schnell wie möglich nach der Geburt mit dem Anlegen zu beginnen – idealerweise innerhalb der ersten Stunde. Das ist natürlich nicht immer möglich, zum Beispiel wenn dein Baby Startschwierigkeiten hat, du als Mutter Probleme hast oder nach einem (Not-)Kaiserschnitt. Diese erste Stunde ist die Zeit, in der dein Baby von Natur aus daran interessiert ist, seine Nahrungsquelle zu finden und zu trinken.
  • Haut-zu-Haut-Kontakt: Lege dein Baby direkt auf deine nackte Brust. Das regt die Milchproduktion an und hilft deinem Baby, die Brust selbstständig zu finden und sich daran festzusaugen.
  • Das richtige Anlegen ist sehr wichtig, um wunde Brustwarzen und unzureichendes Stillen zu vermeiden. Eine Hebamme, Gynäkologin oder Stillberaterin kann dir bei der richtigen Anlegetechnik helfen.
  • Versuche, die Hungersignale deines Babys zu erkennen, und stille es bei den ersten Anzeichen von Hunger. Je öfter du stillst, desto mehr Milch wird dein Körper produzieren. Anzeichen von Hunger können zum Beispiel Saugen an der Faust, Schmatzen oder Kopfdrehen sein.

Es ist wichtig zu wissen, dass du vor allem am Anfang viel Geduld haben musst. In den ersten Tagen nach der Geburt produziert dein Körper Kolostrum – eine dicke, nährstoffreiche Flüssigkeit, die reich an Antikörpern ist. Innerhalb von 2 bis 5 Tagen nimmt die Produktion normalerweise zu, und die „echte“ Muttermilch beginnt zu fließen.

Tipps für erfolgreiches Stillen

Damit das Stillen zu einer wunderbaren und erfolgreichen Erfahrung wird, haben wir einige Tipps zusammengestellt, die dir dabei helfen können:

  • Stillen bei Bedarf
    Stille dein Baby immer dann, wenn es hungrig zu sein scheint – nicht nach einem festen Zeitplan. Das kann in den ersten Wochen bis zu 8–12 Mal am Tag sein!
  • Nimm dir Zeit
    Die ersten Tage und Wochen können schwierig sein. Nimm dir die Zeit, dich an diese Phase zu gewöhnen.
  • Probiere verschiedene Stillpositionen ausTeste unterschiedliche Stellungen beim Stillen und wähle diejenige, die für dich am bequemsten ist. Achte darauf, dass dein Rücken gut gestützt ist und du dich beim Stillen entspannen kannst.
  • Entleere beide Brüste
    Lass dein Baby eine Brust gut austrinken, bevor du ihm die andere anbietest. Das regt die Milchproduktion an und sorgt dafür, dass dein Baby die fettreiche, nährstoffreiche Hintermilch bekommt, die für das Wachstum wichtig ist.
  • Suche dir Unterstützung
    Es kann hilfreich sein, dich mit anderen Müttern auszutauschen oder eine Stillgruppe zu besuchen. Auch eine Stillberaterin kann dich wertvoll unterstützen.
  • Bleib entspannt
    Stress kann die Milchproduktion behindern, deshalb ist es wichtig, dass du entspannt bleibst. Das ist nicht immer leicht, wenn es nicht so läuft, wie du es dir vorgestellt hast. Wenn du merkst, dass du gestresst bist, versuche Atemübungen, spiele leise Musik beim Stillen oder gönn dir bewusst Ruhe.
  • Achte auf ausreichend Flüssigkeit und gute Ernährung
    Trinke während der Stillzeit genug und ernähre dich ausgewogen und nahrhaft, um dein Energieniveau zu halten und deine Milchproduktion zu unterstützen. In der Stillzeit brauchst du zusätzliche Kalorien.
  • Hab Geduld – Übung macht den Meister!
    Aller Anfang ist schwer, besonders die ersten Wochen können eine Herausforderung sein. Egal, ob du zum ersten Mal stillst oder es schon einmal gemacht hast – jedes Mal ist es anders. Übe weiter, und du wirst merken, dass es mit der Zeit immer leichter wird.

Abpumpen, Zufüttern und kombiniertes Stillen und Flaschennahrung

Abpumpen, Zufüttern und kombiniertes Stillen und Flaschennahrung

Wenn du stillst, wirst du wahrscheinlich auch abpumpen. Natürlich kannst du dich auch dazu entscheiden, nicht abzupumpen. Abpumpen kann neben dem Stillen aus verschiedenen Gründen vorteilhaft sein: Dein Baby kann Muttermilch trinken, auch wenn du nicht da bist. So kann auch dein Partner dein Baby füttern. Außerdem hilft Abpumpen dabei, die Milchproduktion aufrechtzuerhalten, wenn du nicht direkt stillen kannst. Lass dich gut beraten, welche Pumpe für dich die richtige ist. Du kannst zum Beispiel zwischen einer manuellen und einer elektrischen Pumpe sowie zwischen einer Einzel- und einer Doppelpumpe (zum gleichzeitigen Abpumpen beider Brüste) wählen.

Zu Beginn des Stillens kann es sein, dass du noch nicht genug Milch produzierst oder dass dein Baby mit deiner Milch allein nicht ausreichend zunimmt. In solchen Fällen kannst du dich – gerne auch in Absprache mit einer medizinischen Fachkraft – dafür entscheiden, dein Baby zusätzlich zum Stillen mit künstlicher Milch zu ernähren. Die Kombination aus Stillen und künstlicher Ernährung kann auch sinnvoll sein, weil sie dir mehr zeitliche Flexibilität ermöglicht.

Behalte den Überblick über deinen Zeitplan ganz einfach im Tagebuch in unserer App!

Herausforderungen beim Stillen von Neugeborenen

Das Stillen hat viele Vorteile, kann aber auch manchmal eine echte Herausforderung sein. Besonders am Anfang ist es oft gewöhnungsbedürftig oder man stößt auf bestimmte Dinge:

  • Rissige oder wunde Brustwarzen
    Vor allem in der Anfangszeit leiden viele Mütter unter wunden oder rissigen Brustwarzen. Das kann z. B. daran liegen, dass das Baby nicht richtig ansaugt. Wichtig ist eine gute Anlegetechnik, eine Stillberaterin kann dabei helfen.
  • Brustinfektion
    Eine Brustentzündung (Mastitis) ist eine Entzündung des Brustgewebes. Sie tritt auf, wenn sich die Milchdrüsen in der Brust entzünden, meist aufgrund eines verstopften Milchgangs oder einer bakteriellen Infektion. Sie geht oft mit Fieber, Rötungen und Schwellungen einher. Es ist wichtig, bei einer Brustentzündung trotzdem weiter zu stillen. Regelmäßiges Stillen hilft, die Milchkanäle zu reinigen. Viel Ruhe, Wärme und viel Flüssigkeit (viel trinken!) können Linderung verschaffen. Manchmal sind Antibiotika erforderlich. Suchen Sie einen Arzt auf, wenn sich die Symptome nicht innerhalb von 24 Stunden bessern, wenn Sie starke Schmerzen oder hohes Fieber haben oder wenn Sie sich sehr krank fühlen.
  • Milchproduktion
    Es kann eine Weile dauern, bis deine Milchproduktion in Gang kommt, und es kann sein, dass du in den ersten Tagen nur wenig oder gar keine Milch produzierst. Besonders nach einem Kaiserschnitt kann es etwas länger dauern, bis die Milch fließt.
    Eine geringe Milchproduktion kann auch andere Ursachen haben: unregelmäßiges oder unzureichendes Stillen, eine ungeeignete Anlegetechnik, gesundheitliche Probleme bei dir als Mutter, Stress, Müdigkeit oder die Zufütterung mit Flaschennahrung. Wende dich an deine Hebamme oder eine Stillberaterin – sie kann dir helfen, wenn du das Gefühl hast, dass du (zu) wenig Milch produzierst.
  • Abpumpen und Arbeiten
    Nach dem Mutterschutz wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren und gleichzeitig zu stillen, kann eine ziemliche Herausforderung sein. Du kannst dein Baby jetzt nicht mehr den ganzen Tag selbst füttern. Um deine Milchproduktion aufrechtzuerhalten, kannst du mit einem guten Zeitplan und einer Abpumppumpe arbeiten. Du hast Anspruch auf Zeit zum Abpumpen während der Arbeit, und es sollte auch ein geeigneter Raum dafür zur Verfügung stehen. Sprich mit deinem Arbeitgeber darüber, was in diesem Bereich möglich ist.

 

Was tun, wenn das Stillen nicht klappt?

Was ist, wenn du dich gegen das Stillen entschieden hast, wenn du es versucht hast und nicht damit klarkommst, oder wenn du alles in deiner Macht Stehende getan hast, aber es einfach nicht geklappt hat? Dann ist das auch in Ordnung! Das Wichtigste ist, dass du und dein Baby gesund und glücklich seid. Was auch immer der Grund dafür war, mit dem Stillen aufzuhören – manchmal ist es nicht leicht, das zu akzeptieren. Sei nicht zu streng mit dir selbst, denn das Scheitern beim Stillen sagt nichts über deine Fähigkeiten als Mutter oder über die Bindung zu deinem Baby aus. Wenn du es emotional als schwierig empfindest, kann es helfen, darüber zu sprechen – mit deinem Partner, mit Freunden, Familienmitgliedern oder mit Fachleuten.

 

Wichtig zu wissen

Es ist wichtig, daran zu denken, dass jede Mutter und jedes Baby einzigartig sind. Was bei deiner Schwester, Nachbarin oder Freundin funktioniert, muss nicht auch bei dir funktionieren – und umgekehrt. Sei stolz auf dich – du gibst dein Bestes, und das ist es, was am Ende zählt. Entspann dich, genieße diese besondere gemeinsame Zeit, aber versuche auch zu akzeptieren, wenn die Dinge nicht so laufen, wie du es dir vorgestellt hast – oder wenn du während der Stillzeit deine Pläne ändern musst, weil es einfach nicht so klappt, wie du es dir wünschst.