Meine unerwartete Schwangerschaft

„Ich ging zum Arzt, weil ich nicht mehr wusste, was ich tun sollte… Keine Stunde später schaute ich auf den Ultraschall und sah ein voll entwickeltes Baby in der 32. Woche. Meine Welt stand Kopf.“

Gastbloggerin
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Ein unregelmäßiger Zyklus und Unsicherheit

Mein Partner Martijn und ich wünschten uns eine Familie und freuten uns darauf, Eltern zu werden. Also setzte ich die Pille ab. Mein Zyklus wurde extrem unregelmäßig. Während ein normaler Zyklus etwa 28 Tage dauert, schwankte meiner zwischen 20 und 60 Tagen. Ein Muster war nicht zu erkennen.

Zusätzlich zu meinem unregelmäßigen Zyklus litt ich oft unter starken PMS-Symptomen wie extremer Müdigkeit, Bauch- und Rückenschmerzen, Übelkeit, empfindlichen Brüsten, Stimmungsschwankungen und Blähungen. Das machte mich unsicher, und in unserer Kinderwunschzeit sorgte ich mich zunehmend um meine Fruchtbarkeit und Gesundheit. Nach Rücksprache mit meinem Arzt entschieden wir, der Ursache meiner Beschwerden auf den Grund zu gehen.

Die schockierende Entdeckung: 32 Wochen schwanger

Monatelang kämpfte ich mit Magen-Darm- und Hormonproblemen, einem ausbleibenden Zyklus und sogar negativen Schwangerschaftstests. Ich ließ mich von einem Gastroenterologen, einer Fertilitätsärztin und einer Gynäkologin untersuchen, machte einen EMB-Bluttest und probierte verschiedene Diäten aus, nichts half. Schließlich konnte ich nicht mehr. Ich war erschöpft.

Verzweifelt ging ich zum Arzt. Mit Tränen in den Augen sagte ich: „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll…“ Der Arzt untersuchte mich, hörte mit einem Stethoskop meinen Bauch ab und schaute mich dann überrascht an. „Mädchen, ich glaube, du bist hochschwanger. Und zwar schon sehr weit, ich schätze mindestens sieben Monate!“

Fassungslos stand ich vor der Arztpraxis, mit einer Überweisung für die Geburtsklinik in der Hand. In Schock rief ich Martijn an. Keine Stunde später waren wir im Krankenhaus. Der Ultraschall bestätigte das Unglaubliche: Ich war bereits in der 32. Woche schwanger.

Emotionen und mentale Verarbeitung einer unerwarteten Schwangerschaft

Wie konnte das sein? So etwas passiert doch nur in Filmen, oder? Wie konnte ich das nicht bemerkt haben? Ich hatte doch negative Schwangerschaftstests! Ich war nicht krank. Nein, ich war eine gesunde Frau, aber eben auch schwanger. Eine Frau, die seit Monaten ein perfekt gesundes Baby in sich trug, ohne es zu wissen. Der Schock war enorm und traumatisch.

Und doch fühlte ich mich noch nie so getragen wie in diesem Moment. Martijn, unsere Familie und unsere Freunde waren sofort für uns da. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir Babysachen, Kleidung, Blumen, aber vor allem eine riesige Menge an Liebe und Unterstützung.

Ich hatte noch nie zuvor so viele Emotionen gleichzeitig gespürt. Scham und Schuldgefühle: wie konnte ich als Frau nicht bemerkt haben, dass ein Baby in mir heranwuchs? 32 Wochen einfach… verschwunden. Ich betrat die Arztpraxis in Größe 36 und hatte eine Woche später einen hochschwangeren Bauch. Was würden die Leute denken? Trauer darüber, dass ich unseren kleinen Jungen nicht früher kennengelernt hatte. Verlust, weil mir ein Großteil meiner Schwangerschaft genommen worden war. Aber gleichzeitig auch Staunen und Stolz, wie unglaublich, dass mein Körper das einfach geschafft hatte, ohne dass ich es wusste, ohne jegliche Kontrolle oder Begleitung. Mein Körper hatte sieben Monate lang ein perfektes, gesundes Kind getragen.

Mentale Vorbereitung auf die Geburt

Mitten in all dem Chaos entschied ich mich, nicht nur medizinische und praktische Hilfe in Anspruch zu nehmen, sondern auch mentale Unterstützung. Durch ein Coaching für Mütter bereitete ich mich innerhalb von nur acht Wochen mental auf die Geburt und das Muttersein vor. Es war viel, zu viel in zu kurzer Zeit. Doch ich bin unglaublich dankbar, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Und fast acht Wochen später hielt ich unseren wunderschönen, kerngesunden Sohn in meinen Armen.

Ein Wechselbad der Gefühle: Trauer und Glück

Eine Welle der Liebe und des Stolzes überkam mich, und es fühlte sich an, als wäre er schon immer da gewesen. Noch nie zuvor hatte ich so viel Vertrauen in mich selbst gespürt wie in diesem Moment. Von einem Tag auf den anderen entstand eine tiefe, unbeschreibliche Verbindung zu meinem Baby. Als ob ich instinktiv wusste, was ich als Mutter tun musste. Ich fühlte mich stark und mächtig, aber gleichzeitig auch klein und verletzlich. Trauer und Glück existierten plötzlich nebeneinander: Trauer über das, was nicht gewesen war, aber vor allem ein überwältigendes Glück über unser Baby.

Verarbeitung und Akzeptanz

Ein paar Monate nach der Geburt suchte ich Hilfe in Form einer imaginären Rescripting-Therapie. Damals half sie mir enorm. Doch vor einem halben Jahr, als der Wunsch nach einem Geschwisterchen aufkam, merkte ich, dass wieder ungelöste Emotionen an die Oberfläche kamen. Jetzt mache ich eine EMDR-Therapie, um meine unerwartete Schwangerschaft auf einer tieferen Ebene zu verarbeiten. Und ich kann es nur empfehlen: Holt euch Hilfe, wenn ihr sie braucht.

Es ist nicht so gekommen, wie ich es mir früher vorgestellt oder erhofft hatte. Aber es ist genau so passiert, wie es passieren sollte. Und dafür bin ich unendlich dankbar.

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